Programm Block 2: Autorschaft

Freitag, 09.11.

Enter the Algorithmic Artist – von der Autonomie des Kunstwerks zum „autonomen Kunstwerk“

Auf den proklamierten „Tod des Autors“ folgte um die Jahrtausendwende mit den digitalen Netzmedien die – von manchen herbeigesehnte – technologische Manifestation der jahrzehntealten (post-)strukturalistischen Einsichten: Hypermedien erschufen ‚fluide‘ Texte mit verteilter und ungewisser Autorschaft und hybridisierten die Rollen von Produzenten und Rezipienten. Die schon lange in Frage gestellten tradierten ästhetischen Kategorien vom „Künstler-Genie“ oder der „Einheit des Werks“ waren, so die Lesart, mit der digitalen Automatisierung nun endgültig obsolet geworden.

Gegenwärtig verschärft sich die Lage noch, da mithilfe neuer Rechenverfahren des maschinellen Lernens – der sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ – kreative Prozesse an automatisierte, gar autonome Herstellungsweisen delegiert werden können. Begreift man auch Kreativität als das notwendige Zitat und die Modulation des Vorhandenen, so scheint sich nun ein technologisch bedingtes „autonomes Kunstwerk“ zu etablieren: Musik, die ohne Komponisten entsteht; Gemälde, die keinen Maler erfordern; Literatur, die keine Autorin kennt. Im Vortrag werden jüngere Beispiele für derart autonome (Kunst-)Werke vorgestellt und im Lichte medienästhetischer Argumentationslinien kritisch diskutiert. Wiederholt sich hier eine altbekannte Debatte oder brauchen wir tatsächlich eine neue Ästhetik – eine Ästhetik des algorithmischen Künstler-Subjekts?

Philipp Bühler

Dr. Thomas Christian Bächle

Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIC)

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